Wie wird man inmitten einer Brandruine zum Online-Aktivisten bei CitizenGO?
Ja, DAS ist eine ziemlich verrückt klingende Geschichte, die sich aber wirklich zugetragen hat - und ohne diese Begebenheit wäre ich auch ganz sicher heute vor 5 Jahren, am späten Abend des 12. Oktober 2015, nicht von einem Hotel im Zentrum von Stuttgart zum Stuttgarter Flughafen aufgebrochen, um in die Türkei zu fliegen und zum „Peacemaker“ zu werden...
Ein gutes weiteres Jahr vorher, also Anfang Oktober 2014, war ich damit beschäftigt, einer eng befreundeten Familie zu helfen, deren Bauernhof einige Wochen vorher in einem flammenden Inferno zu einem riesigen rauchenden Trümmerhaufen niedergebrannt war.
Die Familie, Vater und Sohn, waren in einem benachbarten leerstehenden Haus untergekommen, ich wohnte in meinem hinter dem Hof abgestellten VW-T3-Campingbus, es gab über Wochen weder Festnetz-Telefon, noch Internetzugang, da auch das Wohnhaus schwer von dem Brand betroffen war.
An dem Tag, an dem die Telekom endlich einen Telefon- und Internetanschluss zu der Zuflucht meiner Freunde aktiviert hatte, habe ich am Abend nach Wochen der Internet-Absenz kurz Facebook gecheckt...
Dort fand ich unter den Benachrichtigungen einen ganz aktuellen Beitrag des in einem vorherigen Beitrag erwähnten Rechtsanwalts K.M.A., der fragte, ob es in seinem Umfeld jemanden gäbe, der Interesse an einem Jobangebot der Kampagnenorganisation CitizenGO habe. G.K., Aktivistin und Anwaltskollegin aus Wien, habe ihn ersucht, sich umzuhören - und ich dachte spontan in einem Moment: „das klingt wie nach mir“, wobei ich dann aber nicht weiter darüber nachgedacht habe, da ich bei meinen Freunden so sehr eingespannt war, dass ich über Wochen kaum genügend Schlaf gefunden hatte.
Nun gut, einige Tage später bekam ich plötzlich einen Anruf von M.L., einem bekannten Lebensschutz-Aktivisten, der sich bei mir als Freund von K.M.A vorstellte und mir mitteilte: „lieber Eduard Pröls, wir kennen uns bisher nicht persönlich, aber ich habe ausführlich mit K.M.A. darüber gesprochen, dass CitizenGO einen Campaigner für Deutschland sucht - und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Du Dich dafür bewerben solltest. Du bist doch hoffentlich der englischen Sprache kundig...“
Ich antwortete „hmmm, naja, also vor dreißig Jahren, als ich Abitur gemacht habe, da habe ich problemlos fließend Englisch gesprochen - aber seitdem so gut wie gar nicht mehr...“ worauf M.L. erwiderte „nun gut, das ist doch prima, dann wirst Du das schon hinbekommen, Dich dort zu bewerben. Und ich werde ein Empfehlungsschreiben beisteuern, alles Weitere wird dann der liebe Gott schon richten...“
Ich: „Moment, liebe Leute, ich bin hier eingespannt und eigentlich gar nicht auf Jobsuche. Außerdem weiß ich gar nicht, ob ich das mit dem Online-Aktivismus machen möchte“. Er: „Also Du kommst doch mit Facebook klar, dann wirst Du das schon schaffen. Es ist eine einmalige Gelegenheit, es muss nur sehr schnell gehen, denn die Verantwortlichen bei CitizenGO wollen rasch entscheiden. Also überleg nicht lange, sondern setz Dich hin und mach!“
Patsch, da saß ich nun. Mit einem derart deutlichen Auftrag, dass ich nicht anders konnte, als zu erwägen, ob ich diesem nicht eventuell doch nachkommen sollte...
So habe ich mich dann also an nächsten Tag hingesetzt und auf Englisch eine Bewerbung und einen Lebenslauf verfasst, die dann ein weiterer Bekannter von K.M.A, der aus den USA stammt und Muttersprachler ist, gegengelesen hat. Anschließend habe ich die Unterlagen dann nach Madrid, zum Hauptquartier von CitizenGO gesandt, von wo mir A.Z. (der damalige Geschäftsführer und CEO von CitizenGO) antwortete, ich würde sehr kurzfristig Bescheid bekommen.
Daraufhin passierte zwei Wochen lang gar nichts, obwohl es geheißen hatte, eine Entscheidung würde noch am selben, spätestens aber am kommenden Tag getroffen werden...
Dann - ich hatte die Sache eigentlich längst abgehakt, und mich nur gewundert, warum man sich nicht wenigstens die Mühe machte, abzusagen - kam ein Anruf aus Wien, in dem mir mitgeteilt wurde, ich solle noch ein wenig Geduld haben, denn im Hintergrund laufe ein schwieriger Entscheidungsprozess, der noch ein wenig dauern würde, aber eigentlich sei klar, dass ich die Zusage bekommen würde... und einige Tage später kam diese dann auch.
Knall auf Fall begann ein völlig neuer Lebensabschnitt, der mein bisheriges Leben - das nun wirklich nicht frei von Umbrüchen und Veränderungen gewesen war - noch einmal völlig auf den Kopf gestellt hat. Mein Aufbruch Richtung Türkei am 12. Oktober 2015, ein Jahr später, war nur einer der Meilensteine auf dem weiteren Weg...
Fazit: es ist schon ziemlich verrückt, wenn jemand, der einen überhaupt nicht kennt, in einem Entscheidungsprozess, der eigentlich bereits abgeschlossen ist, interveniert und darauf dringt, diesen neu aufzurollen, um eine aus seiner Sicht besser geeignete Person zu finden, und sich dann mit der Bitte um Hilfe an Bekannte wendet, die Du eigentlich auch nur über die sozialen Netzwerke kennst, usw...
=> ist das eine unglaubliche Aneinanderreihung verschiedener Zufälle, die ineinander greifen? Oder doch eher das Werk einer ordnenden Hand, die dafür sorgt, dass etwas so geschieht, wie es vorgesehen ist?
Vorausgesetzt natürlich immer, dass während der verschiedenen Schritte, die da ineinander greifen, die jeweils beteiligten Menschen die ihnen gegebene Freiheit so nutzen, dass sie - ob bewusst oder unbewusst - den Weg der göttlichen Vorsehung unterstützen und eben nicht verhindern...
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